Ja ich bin immer noch am Leben ( nur ein bisschen schreibfaul :D )
Ich musste für meinen Stipendiumgeber ein Bericht schreiben und habe mir gedacht das sich der auch gut auf meinen Block machen würde.
Also hier ist eine kleine Zusammenfassung meines ersten Halbjahres in der USA:
Mein Name ist Tamara Rothermel und in diesem Bericht möchte ich meine Ersten Erlebnisse und Erfahrungen Teilen
Meine
ersten Erfahrungen, die ich teilen möchte habe ich nicht in den USA,
sondern während der Vorbereitung und bei vielen Terminen in
Deutschland gemacht. Es war ein hartes Stück Arbeit bei dem
wochenlangen Kampf mit Bergen von Papier, Fotos und Terminen den
Überblick zu behalten. Ohne meine Familie hätte es nicht geschafft
alles immer zur rechten Zeit bereitzustellen und abzugeben. Nach
einem guten halben Jahr der Vorbereitungen ging meine Reise dann
endlich los. Ich muss gestehen, dass ich zur Verwunderung Aller am
Ende überhaupt nicht aufgeregt war. Ehrlich gesagt: Ich war die Ruhe
selbst. Und so stieg ich am 7. August in den Flieger nach Chicago.
Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, als ich gelandet
und in Richtung Ausgang unterwegs war, war dass es sich hier nicht
wirklich anders anfühlt, als in Deutschland. Die Tatsache das gut 64
weitere Austauschschüler um mich herum deutsch sprachen war
natürlich einer der Gründe. Den ersten Unterschied habe ich
gespürt, als ich vor dem Flughafen stand. Innerhalb von Sekunden hat
mich das fremde Klima überwältigt. Ich wollte unbedingt zurück in
den überklimatisierten Flughafen. Doch wir standen nur kurz vor dem
Eingang. Dann wurden wir in unsere Regionen eingeteilt und in
wiederum ordentlich klimatisierte Busse gesetzt. Nach weitern 6
Stunden Busfahrt stieg ich dann in Eau Claire, Wiscosin aus. AFS
begrüßte uns im Land und am nächsten Tag wurde ich von meiner
Gastmutter Kristen abgeholt. Sie war mir sofort sympathisch und trotz
meiner Sprachblockade habe ich es geschafft, mich die ganze Autofahrt
nach Menomonie mit ihr zu unterhalten. In meinen neuen zu Hause
angekommen, hatte ich dann erstmal etwas Zeit für mich. Als die
Zimmertür sich hinter mir schloss, begannen mir die Tränen über
die Wagen zu laufen und ich stellte mir immer wieder die Frage, was
ich hier eigentlich mache. Das ist dann wohl die Reaktion, wenn Dir
alles fremd ist und du übermüdet bist!
In
den nächsten zwei Wochen prasselten die Eindrücke nur so auf mich
nieder. Alles war größer, als ich es gewöhnt war und alles war
klimatisiert. Hier machte ich meine ersten negativen Erfahrungen. Es
war so kalt in unserem Haus, dass ich drei Tage nach meiner Ankunft
meine erste Erkältung bekam. Das war eine Riesenhürde für mich.
Wie beschreibt man jemanden, dass einem der Hals weh tut, ohne das
Wort für „Rachen“ zu kennen?
In
den nächsten fünf Monaten stellte sich für mich dann aber auch
wieder ein Alltag ein. Das Leben ist hier nicht so viel anders als in
Deutschland. Die Menschen hier gehen auch einkaufen, zur Arbeit oder
in die Schule. In der Schule schloss ich mich dem Schwimmteam an, was
ich im Nachhinein als eine gute Idee betrachte. Hier lernte ich die
ersten Jugendlichen kennen und begann damit mehr zu reden. Das
Schulsystem unterscheidet sich deutlich von unserem. Ich durfte meine
Fächer wählen, was mir die Möglichkeit bot Fächer wie
Astro-Bio-Physik und Theater auszuprobieren. Es gibt sehr viel
strengere Schulregeln (Pünktlichkeit, Bewegen in der Schule,
Sauberkeit), die auch eingehalten werden. Die Schüler bleiben hier
nicht als Klassenverband zusammen, sie wechseln nach jeder Stunde den
Unterrichtsraum und nicht der Lehrer, wie in Deutschland. An meinem
ersten offiziellen Schultag habe ich mich gut 18 Mal verlaufen und
das, obwohl meine Schule noch eine der etwas kleineren Schulen ist.
Doch mit Durchfragen habe ich meine Klassenräume letztendlich doch
immer gefunden Die Schüler sind sehr nett. Sie kommen eher auf dich
zu als die Schüler in Deutschland. Sie reden mit dir und wollen dir
helfen, selbst wenn sie nicht einmal deinen Namen kennen. (Das gilt
im Übrigen auch für die allermeisten Erwachsenen denen ich hier
begegne) Die amerikanischen Jugendlichen unterscheiden sich überhaupt
sehr von den Deutschen. Ich wurde innerhalb des ersten Monats zu zwei
Partys und zum Bowlen eingeladen. Amerikaner lieben es am Wochenende
aus zu gehen. Ob Kino, shoppen oder Rollschuh laufen. Allerdings ist
es für die Teens auch einfacher, da die meisten von ihnen bereits
mit 16 ihren Führerschein und ein eigenes Auto besitzen. Mir haben
wirklich die Knie gezittert, als ich das erste mal mit einer 16
jährigen im Auto gesessen habe, da ich es einfach nicht gewohnt war
jemanden in meinem Alter hinter dem Steuer zu sehen.
Die
Schultage beginnen für mich sehr früh und enden erst sehr spät.
Das war eine der Hauptumstellungen für mich. Morgens um 5:30 Uhr auf
zu stehen und abends manchmal erst um sieben oder später nach hause
kommen ist sehr schwer. Allerdings bin ich daran auch ein bisschen
selber Schuld. Da ich nur ein Jahr hier habe und so viele Erfahrungen
wie möglich mitnehmen will, habe ich mich in den letzten Monaten
erst für die Sportart Schwimmen, dann für den Kirchenchor, das
Schulmusical und zuletzt für Turnen eingetragen. Das ich so
involviert bin hat einige positive und einige negative Effekte. Ich
habe viele neue Leute und Freunde getroffen, es hat mir Spaß gemacht
mal auf der Bühne zu stehen und an Wettkämpfen teil zu nehmen, doch
war ich immer so beschäftigt, dass ich nicht viel mit meiner
Gastfamilie unternehmen konnte. Da ich natürlich neben der Schule
und den sich direkt anschließenden Aktivitäten auch noch die nicht
unerheblichen Hausaufgaben erledigen musste, hat der dadurch
heraufbeschworene Schlafmangel seine Folgen mit sich gebracht. In den
letzten fünf Monaten war ich häufiger krank als im ganzen letzten
Jahr zu Hause. Ich kann anderen Austauschschülern deshalb nur raten,
sich nicht ganz so viel vorzunehmen. Das kann manchmal auf die Psyche
schlagen.
Mein
Verhalten hat sich von Grund auf verändert. Ich bin viel
organisierter als vorher. Ich habe schnell gemerkt, dass ohne gute
Organisation hier nichts läuft. Auch vergleiche ich mich nicht mehr
so oft mit anderen Leuten. Ich habe gelernt, dass ich - ich bin und
dass das keiner ändern kann. Selbst ich kann das nicht. Man kommt
hier in viele Situationen bei denen man sich im nach hinein die Frage
stellt, ob man in Deutschland anders gehandelt hätte. Ich denke hier
sehr viel nach. Ich finde es sehr schwer anderen Leuten zu
beschreiben, wie man sich während eines Auslandsjahres fühlt. Es
ist ein individuelles Gefühl, dass man nur in der Situation fühlen
kann. Allerdings kann ich mit Sicherheit sagen, dass man auf dem Weg
reifer wird und viel über sich selbst erfährt. Manchmal stelle ich
mir vor, wie es sein wird, wenn ich zurückkomme. Was werde ich
meinen Freunden und meiner Familie alles schildern, was werden die
von mir erwarten. Es fühlt sich an, als ob wenn ich wieder in
Deutschland lande, schon das nächste Abenteuer auf mich wartet. Aber
es macht mich auch sehr traurig, dass die Hälfte meiner Zeit hier
schon abgelaufen ist. Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich will gar
nicht darüber nachdenken, dass ich alle Menschen und ganz besonders
meine Gastfamilie vielleicht nie wieder sehen werde.
Ich
möchte mich schon jetzt bei Ferrero bedanken. Ohne dieses Stipendium
wären all die Erfahrungen, Erkenntnisse und Erlebnisse für mich nie
möglich gewesen. Ich kann immer noch kaum glauben, dass ich das
Glück hatte, ausgewählt zu werden und dadurch etwas erlebe das
viele andere Jugendliche niemals erleben werden. Auch AFS gebührt
natürlich ein Lob. Ich wurde und werde begleitet durch dieses
aufregende Jahr. Durch die gute Vorbereitung und Fürsorge fühle ich
mich weniger allein und gut gestärkt.
Meine
Gastfamilie hat mich einfach bei sich aufgenommen und lässt mich an
ihrem Leben teilhaben und ich werde auch hier immer unterstützt bei
den Dingen, die tun möchte. Das ist so toll, dass Menschen einfach
so eine völlig fremde Person bei sich aufnehmen.
Von
zu Hause bekomme ich Briefe und Päckchen von Familie und Freunden
und die Angst, dass man mich in einem Jahr Abwesenheit vergisst, habe
ich jetzt auch ablegen können. Ich werde dieses Jahr meines Lebens
sicher nie vergessen und wenn mich jemand fragen sollte, ob ich mich
nochmal für das Auslandsjahr entscheiden würde, würde ich immer
mit ja
antworten.
Letzte
Woche habe ich angefangen Softball zu spielen. Noch sind die Regeln
eher unklar, aber der Spaß ist schon da. Im März findet der
Prom-Ball statt, ich suche schon jetzt nach einem Traumkleid. Ich
denke im Moment schon manchmal darüber nach, ob ich vielleicht ein
Praktikum in Deutschland machen möchte, bevor die Schule im
September wieder losgeht. Viel zu entscheiden und zu erleben in den
nächsten 6 Monaten. Ich will auf jeden Fall, jede Minute genießen
und freue mich auf weitere spannende Erlebnisse und Erfahrungen in
Menomonie.
Grüße aus der USA
Tamara