Sonntag, 12. Januar 2014

Hier bin ich mal wieder !!

Hi ,
Ja ich bin immer noch am Leben ( nur ein bisschen schreibfaul :D )
Ich musste für meinen Stipendiumgeber ein Bericht schreiben und habe mir gedacht das sich der auch gut auf meinen Block machen würde.

Also hier ist eine kleine Zusammenfassung meines ersten Halbjahres in der USA:

Mein Name ist Tamara Rothermel und in diesem Bericht möchte ich meine Ersten Erlebnisse und Erfahrungen Teilen

Meine ersten Erfahrungen, die ich teilen möchte habe ich nicht in den USA, sondern während der Vorbereitung und bei vielen Terminen in Deutschland gemacht. Es war ein hartes Stück Arbeit bei dem wochenlangen Kampf mit Bergen von Papier, Fotos und Terminen den Überblick zu behalten. Ohne meine Familie hätte es nicht geschafft alles immer zur rechten Zeit bereitzustellen und abzugeben. Nach einem guten halben Jahr der Vorbereitungen ging meine Reise dann endlich los. Ich muss gestehen, dass ich zur Verwunderung Aller am Ende überhaupt nicht aufgeregt war. Ehrlich gesagt: Ich war die Ruhe selbst. Und so stieg ich am 7. August in den Flieger nach Chicago. Der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, als ich gelandet und in Richtung Ausgang unterwegs war, war dass es sich hier nicht wirklich anders anfühlt, als in Deutschland. Die Tatsache das gut 64 weitere Austauschschüler um mich herum deutsch sprachen war natürlich einer der Gründe. Den ersten Unterschied habe ich gespürt, als ich vor dem Flughafen stand. Innerhalb von Sekunden hat mich das fremde Klima überwältigt. Ich wollte unbedingt zurück in den überklimatisierten Flughafen. Doch wir standen nur kurz vor dem Eingang. Dann wurden wir in unsere Regionen eingeteilt und in wiederum ordentlich klimatisierte Busse gesetzt. Nach weitern 6 Stunden Busfahrt stieg ich dann in Eau Claire, Wiscosin aus. AFS begrüßte uns im Land und am nächsten Tag wurde ich von meiner Gastmutter Kristen abgeholt. Sie war mir sofort sympathisch und trotz meiner Sprachblockade habe ich es geschafft, mich die ganze Autofahrt nach Menomonie mit ihr zu unterhalten. In meinen neuen zu Hause angekommen, hatte ich dann erstmal etwas Zeit für mich. Als die Zimmertür sich hinter mir schloss, begannen mir die Tränen über die Wagen zu laufen und ich stellte mir immer wieder die Frage, was ich hier eigentlich mache. Das ist dann wohl die Reaktion, wenn Dir alles fremd ist und du übermüdet bist!

In den nächsten zwei Wochen prasselten die Eindrücke nur so auf mich nieder. Alles war größer, als ich es gewöhnt war und alles war klimatisiert. Hier machte ich meine ersten negativen Erfahrungen. Es war so kalt in unserem Haus, dass ich drei Tage nach meiner Ankunft meine erste Erkältung bekam. Das war eine Riesenhürde für mich. Wie beschreibt man jemanden, dass einem der Hals weh tut, ohne das Wort für „Rachen“ zu kennen?

In den nächsten fünf Monaten stellte sich für mich dann aber auch wieder ein Alltag ein. Das Leben ist hier nicht so viel anders als in Deutschland. Die Menschen hier gehen auch einkaufen, zur Arbeit oder in die Schule. In der Schule schloss ich mich dem Schwimmteam an, was ich im Nachhinein als eine gute Idee betrachte. Hier lernte ich die ersten Jugendlichen kennen und begann damit mehr zu reden. Das Schulsystem unterscheidet sich deutlich von unserem. Ich durfte meine Fächer wählen, was mir die Möglichkeit bot Fächer wie Astro-Bio-Physik und Theater auszuprobieren. Es gibt sehr viel strengere Schulregeln (Pünktlichkeit, Bewegen in der Schule, Sauberkeit), die auch eingehalten werden. Die Schüler bleiben hier nicht als Klassenverband zusammen, sie wechseln nach jeder Stunde den Unterrichtsraum und nicht der Lehrer, wie in Deutschland. An meinem ersten offiziellen Schultag habe ich mich gut 18 Mal verlaufen und das, obwohl meine Schule noch eine der etwas kleineren Schulen ist. Doch mit Durchfragen habe ich meine Klassenräume letztendlich doch immer gefunden Die Schüler sind sehr nett. Sie kommen eher auf dich zu als die Schüler in Deutschland. Sie reden mit dir und wollen dir helfen, selbst wenn sie nicht einmal deinen Namen kennen. (Das gilt im Übrigen auch für die allermeisten Erwachsenen denen ich hier begegne) Die amerikanischen Jugendlichen unterscheiden sich überhaupt sehr von den Deutschen. Ich wurde innerhalb des ersten Monats zu zwei Partys und zum Bowlen eingeladen. Amerikaner lieben es am Wochenende aus zu gehen. Ob Kino, shoppen oder Rollschuh laufen. Allerdings ist es für die Teens auch einfacher, da die meisten von ihnen bereits mit 16 ihren Führerschein und ein eigenes Auto besitzen. Mir haben wirklich die Knie gezittert, als ich das erste mal mit einer 16 jährigen im Auto gesessen habe, da ich es einfach nicht gewohnt war jemanden in meinem Alter hinter dem Steuer zu sehen.

Die Schultage beginnen für mich sehr früh und enden erst sehr spät. Das war eine der Hauptumstellungen für mich. Morgens um 5:30 Uhr auf zu stehen und abends manchmal erst um sieben oder später nach hause kommen ist sehr schwer. Allerdings bin ich daran auch ein bisschen selber Schuld. Da ich nur ein Jahr hier habe und so viele Erfahrungen wie möglich mitnehmen will, habe ich mich in den letzten Monaten erst für die Sportart Schwimmen, dann für den Kirchenchor, das Schulmusical und zuletzt für Turnen eingetragen. Das ich so involviert bin hat einige positive und einige negative Effekte. Ich habe viele neue Leute und Freunde getroffen, es hat mir Spaß gemacht mal auf der Bühne zu stehen und an Wettkämpfen teil zu nehmen, doch war ich immer so beschäftigt, dass ich nicht viel mit meiner Gastfamilie unternehmen konnte. Da ich natürlich neben der Schule und den sich direkt anschließenden Aktivitäten auch noch die nicht unerheblichen Hausaufgaben erledigen musste, hat der dadurch heraufbeschworene Schlafmangel seine Folgen mit sich gebracht. In den letzten fünf Monaten war ich häufiger krank als im ganzen letzten Jahr zu Hause. Ich kann anderen Austauschschülern deshalb nur raten, sich nicht ganz so viel vorzunehmen. Das kann manchmal auf die Psyche schlagen.

Mein Verhalten hat sich von Grund auf verändert. Ich bin viel organisierter als vorher. Ich habe schnell gemerkt, dass ohne gute Organisation hier nichts läuft. Auch vergleiche ich mich nicht mehr so oft mit anderen Leuten. Ich habe gelernt, dass ich - ich bin und dass das keiner ändern kann. Selbst ich kann das nicht. Man kommt hier in viele Situationen bei denen man sich im nach hinein die Frage stellt, ob man in Deutschland anders gehandelt hätte. Ich denke hier sehr viel nach. Ich finde es sehr schwer anderen Leuten zu beschreiben, wie man sich während eines Auslandsjahres fühlt. Es ist ein individuelles Gefühl, dass man nur in der Situation fühlen kann. Allerdings kann ich mit Sicherheit sagen, dass man auf dem Weg reifer wird und viel über sich selbst erfährt. Manchmal stelle ich mir vor, wie es sein wird, wenn ich zurückkomme. Was werde ich meinen Freunden und meiner Familie alles schildern, was werden die von mir erwarten. Es fühlt sich an, als ob wenn ich wieder in Deutschland lande, schon das nächste Abenteuer auf mich wartet. Aber es macht mich auch sehr traurig, dass die Hälfte meiner Zeit hier schon abgelaufen ist. Die Zeit vergeht wie im Flug. Ich will gar nicht darüber nachdenken, dass ich alle Menschen und ganz besonders meine Gastfamilie vielleicht nie wieder sehen werde.

Ich möchte mich schon jetzt bei Ferrero bedanken. Ohne dieses Stipendium wären all die Erfahrungen, Erkenntnisse und Erlebnisse für mich nie möglich gewesen. Ich kann immer noch kaum glauben, dass ich das Glück hatte, ausgewählt zu werden und dadurch etwas erlebe das viele andere Jugendliche niemals erleben werden. Auch AFS gebührt natürlich ein Lob. Ich wurde und werde begleitet durch dieses aufregende Jahr. Durch die gute Vorbereitung und Fürsorge fühle ich mich weniger allein und gut gestärkt.

Meine Gastfamilie hat mich einfach bei sich aufgenommen und lässt mich an ihrem Leben teilhaben und ich werde auch hier immer unterstützt bei den Dingen, die tun möchte. Das ist so toll, dass Menschen einfach so eine völlig fremde Person bei sich aufnehmen.

Von zu Hause bekomme ich Briefe und Päckchen von Familie und Freunden und die Angst, dass man mich in einem Jahr Abwesenheit vergisst, habe ich jetzt auch ablegen können. Ich werde dieses Jahr meines Lebens sicher nie vergessen und wenn mich jemand fragen sollte, ob ich mich nochmal für das Auslandsjahr entscheiden würde, würde ich immer mit ja antworten.

Letzte Woche habe ich angefangen Softball zu spielen. Noch sind die Regeln eher unklar, aber der Spaß ist schon da. Im März findet der Prom-Ball statt, ich suche schon jetzt nach einem Traumkleid. Ich denke im Moment schon manchmal darüber nach, ob ich vielleicht ein Praktikum in Deutschland machen möchte, bevor die Schule im September wieder losgeht. Viel zu entscheiden und zu erleben in den nächsten 6 Monaten. Ich will auf jeden Fall, jede Minute genießen und freue mich auf weitere spannende Erlebnisse und Erfahrungen in Menomonie.

Grüße aus der USA 
Tamara


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